On track mit Amtrak

On track mit Amtrak

Die kanadischen Waldbrände haben Washington erreicht: Es ist diesig und Rauchgeschmack liegt in der Luft. Selbst der Buschauffeur trägt eine Maske.

Ohne den Fitnessraum genutzt zu haben checken wir aus dem Henley Park Hotel aus, um bei Amtrak einzuchecken.

Mit 170 km/h braust der Zug nordwärts. Die Sitze sind grosszügig konzipiert mit angenehmer Beinfreiheit. Der Zugbegleiter steckt für jeden Fahrgast einen orangen Zettel in die Gepäckablage und weiss damit, wen er bereits kontrolliert hat und wer wo sein Abteil verlassen wird. Die Zugfahrt selber verläuft unspektakulär und die Aussicht ist so la la.

Die Strassenbahn besteht nur aus einem Wagen und gleicht eher einem Bus. Der Kontrast zu Washington könnte nicht grösser sein. Prunk und Prestige weichen Working Poor und Praktikabilität. Die Strasse zu unserem Zimmer ist aufgerissen, gesäumt von schmalen Backsteinhäusern mit Minimalvorgärten. Auch in dieser Stadt sind eher wenig Menschen unterwegs. Ob der Grund dafür in der Ferienzeit oder der Luftqualität liegt?

Philly Cheesesteaks gehören zu den kulinarischen Berühmtheiten. Zwei sich gegenüberstehende Grillbuden buhlen um Kundschaft: Pat und Geno. So bestellen wir diese Sandwichbrote mit Fleischstreifen in gelber Käsesauce. Dazu trinken wir Traubenlimonade mit viel Eis. Es ist ein ständiges kommen und gehen. Gespiesen wird auf Sitzrosten, im Auto oder auf dem Trottoir. Bei Geno ist eine Bronzetafel mit dem Konterfei des verstorbenen Patrons in der Mitte, flankiert mit den Namen verstorbener First Reponder (Polizei und Feuerwehr).

Von South Philly geht es durch den Italien Market zurück ins Zentrum. Die Strassenstände schliessen schon um 18 Uhr.

In der South Street findet Heidi unverhofft einen Vintage Laden. So ist sie für die nächste Stunde parkiert 😄. Auch in diesem Ausgehviertel flanieren eher wenig Menschen und viele Läden fast leer.

Auf dem Rückweg passieren wir den Washington Square mit dem Grab des Unbekannten Soldaten. Beim Eindunkeln blinken Glühwürmchen auf. Wir lassen den Tag auf einer Holzbank ausklingen und beobachten einen als Nachtwächter verkleideten Stadtführer mit Laterne und Handy.

Wo wir hausen sind die Zimmer durch dünne Wände getrennt und wir hören lautstark mit, wie übel es dem Nachbarn geht. Hat er vielleicht vorher auch ein Philly Steak gegessen?